Gedanken zum Welt-Yoga-Tag

Am 21. Juni feiert (vorrangig) die Yoga-Netzgemeinde den Internationalen Yoga-Tag. Ich komme allerdings nicht um die Frage herum: Warum? Wozu? Was soll das ganze eigentlich? Sollte man Yoga als Yogi/ni nicht jeden Tag in irgendeiner Form zelebrieren bzw. ausüben? Muss ich mich dafür unbedingt auf Instagram & Co. zur Schau stellen und zeigen, wie toll und yogisch ich durch mein Leben tänzle?

Ich weiß, das klingt etwas hart, überspitzt oder zynisch – ich meine das auch nur halb so streng wie es vielleicht klingt. Dennoch frage ich mich immer häufiger: Wo führt dieser Yoga-Zirkus noch hin? Wann haben wir vergessen, worum es im Yoga eigentlich geht und was Yoga wirklich ist? Ich stehe regelmäßig mit den Sozialen Netzwerken auf Kriegsfuß und muss oftmals Abstand von Instagram und Facebook und der darin wandelnden Yoga-Community nehmen: Mir ist das alles schlichtweg zu viel, zu fake, zu selbst-darstellerisch, zu weit weg von der eigentlichen Yoga-Philosophie. Ganz nach dem Motto: “Never dress like a Yogi (wear your Yoga on the inside).”

Warum Welt-Yoga-Tag

Meine Recherchen haben ergeben, dass es den Internationalen Yogatag seit 2015 gibt. Begründet wie folgt (laut Wikipedia – ja, ich weiß, nicht die cleverste aller Quellen):
Der Tag beruht auf einer Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die am 11. Dezember 2014 beschlossen wurde.  Sie lautet (Auszug): „Die Generalversammlung, … feststellend, wie wichtig es ist, dass die einzelnen Menschen wie auch die Bevölkerung im Allgemeinen gesundheitsfördernde Entscheidungen treffen und gesunde Lebensweisen führen, unterstreichend, dass globale Gesundheit ein langfristiges Entwicklungsziel ist, das eine engere internationale Zusammenarbeit durch den Austausch bewährter Verfahren erfordert, mit dem Ziel, eine bessere individuelle Lebensführung zu entwickeln, die frei von jeglicher Maßlosigkeit ist, in der Erkenntnis, dass Yoga einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden bietet, sowie in der Erkenntnis, dass eine weitere Verbreitung von Informationen über die Vorteile der Ausübung von Yoga förderlich für die Gesundheit der Weltbevölkerung wäre,
1. beschließt, den 21. Juni zum Internationalen Tag des Yoga zu erklären;
2. bittet alle Mitglied- und Beobachterstaaten, die Organisationen des Systems der Vereinten Nationen und sonstigen internationalen und regionalen Organisationen sowie die Zivilgesellschaft, einschließlich nicht-staatlicher Organisationen und Privatpersonen, den Internationalen Tag des Yoga in angemessener Weise und im Einklang mit den nationalen Prioritäten zu begehen, um die Vorteile der Ausübung von Yoga stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken;
3. betont, dass die Kosten aller aus der Durchführung dieser Resolution hervorgehenden Aktivitäten aus freiwilligen Beiträgen gedeckt werden sollen;
4. ersucht den Generalsekretär, diese Resolution allen Mitglied- und Beobachterstaaten und den Organisationen des Systems der Vereinten Nationen zur Kenntnis zu bringen.“ Aus dem Inhalt der Resolution ergibt sich, dass die Generalversammlung dem Yoga einen gesundheitlichen Nutzen zuschreibt. Die Resolution wurde von der indischen Regierung initiiert und von 177 Mitgliedsstaaten (derzeit 193) unterstützt.

Ok, das klingt ja alles erstmal sehr vernünftig, wichtig und auch richtig. Ich finde, jeder der Yoga macht, tut sich und seiner Umwelt einen großen Gefallen und meint es mit der Selbstfürsorge, Selbst- und Nächstenliebe ernst. Yoga macht diese Welt zu einem besseren Örtchen und ich würde mir wünschen, Yoga fände noch einen viel größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Yoga bringt meine Augen zum Leuchten und mein Herz zum Höherschlagen, daher finde ich so einen Tag prinzipiell auch sehr gut! Doch schaue ich mir heute meine Feeds in den Sozialen Netzwerken an, bin ich schon wieder genervt.

Yoga ist kein temporärer Lifestyle

Ich habe gerade erst meine Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen und Yoga lehrt mich immer wieder aufs Neue, wie mächtig und einschneidend in jedermanns Leben sein kann. Yoga verändert Menschen, verbindet unseren Geist und unser Herz näher mit unserem Körper. Schaue ich mir allerdings so manchen Yogi um mich herum in einer Klasse, oder auch online an, frage ich mich: Was ist hier eigentlich los? Ich verstehe, dass Netzwerken, Werbung für sich oder sein Studio machen, wichtig sind. Auch ich profitiere von meinem Instagram-Account. Aber wieso müssen sich so viele Menschen so zu Schau stellen und wirklich alles zu Yoga machen? Haben wir verlernt, was Yoga wirklich bedeutet? Müssen wir der Welt stündlich mitteilen, was für Super-Yogis wir sind? Warum filmen sich so viele beim Meditieren oder in Shavasana? Muss ich wirklich immer die neueste Yoga-Leggings tragen oder die bunteste Mala um den Hals baumeln lassen? Denn genau das ist Yoga doch eben nicht?!
Ich gestehe jedem ein, wenn er diesen Tag auf irgendeine Weise feiern oder seine Gedanken dazu teilen möchte, aber diese permanente Selbstdarstellung ertrage ich manchmal kaum noch …
Abschließend möchte ich ein meiner Meinung nach sehr passendes Zitat hier lassen, das da besagt:“Yoga is an internal practice. The rest is just a circus“ – Sri Pattabhi Jois  


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