Über Blogging-Pausen und Yoga-Verletzungen

Da liege ich nun schon den fünften Tag in Folge im Bett mit einer scheußlichen Magen-Darm-Erkrankung (ja, ich weiß, es geht gerade was rum im Lande) und habe sehr viel Zeit zum Grübeln und Sinnieren. Nicht immer das beste für einen verkopften Menschen wie mich, doch ich habe den Entschluss gefasst, etwas Gutes daraus zu machen: Einen neuen Blog-Artikel. Endlich! Nach einer so langen Pause tippe ich wieder wie eine Wahnsinnige in die Tasten!

Aber was war los? Wo war ich? Warum wollte einfach nichts zu Papier bzw. auf meinen Bildschirm kommen? Mit meinem Blog wollte ich von Anfang an vereinen, was in meinem Leben so wichtig ist: Yoga und Schreiben. Aber dennoch, es sollte einfach nicht sein. Die letzten Monate waren wohl kaum das, was man eine kreative Pause nennt … ich war eher uninspiriert, traurig, häufig leider krank, hatte in meinem Job unsagbar viel (auch unerfreuliches) um die Ohren und hatte das World Wide Web grundlegend irgendwie satt. Klar, ich treibe mich (viel zu) oft auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen herum, poste hier und da eine Insta-Story, teile einen informativen Artikel auf Facebook. Aber das war es auch schon. Ich war irgendwie angeödet, genervt und schlapp.

„Die Yoga-Szene ist versaut!“

Bleiben wir aber kurz bei Instangram & Co.: Offen gestanden ging mir auch dort die ganze Yoga-Welt auf den Keks. Wo man hinsieht, nur abgefahrene Yoga-Posen, übertriebene Selbstdarstellung, perfekte Bikini-Yoga-Bilder in Hülle und Fülle, mehr Popos als (Yoga-)Posen. Das schreckte mich irgendwie ab und trifft ganz gut, was eine meiner Yoga-Lehrerinnen vor ein paar Wochen einleitend in ihrer Stunde sagte:“Die Yoga-Szene ist versaut!“

Nun würde ich ganz so weit nicht gehen, weiß aber genau, was sie meint: Sie ermunterte uns dazu, viel mehr bei uns zu bleiben. Diesen Yoga-(Insta-)Hype nicht mitzumachen, nicht jede hippe, knallige, überteuerte Yoga-Leggings zu kaufen, und uns stattdessen wieder auf das Wesentliche beim Yoga zu konzentrieren. Nicht in den Konkurrenzkampf zu gehen, sondern bei sich bleiben. „Schaut auf euch! Bleibt auf eurer Matte und guckt nicht nach links und rechts! Ihr seid gut, so wie ihr seid!“ Hat sie vollkommen recht, wie ich finde. Diese Yoga-Stunde inspirierte mich sehr, und ich merkte, auch ich muss mich wieder viel mehr auf das, was Yoga uns eigentlich lehrt, konzertieren.

Ich hab Rücken

Wer mir auf Instagram folgt, dem wird bereits letztes Jahr vielleicht nicht entgangen sein, dass ich seit November immer wieder über massive Rückenschmerzen im unteren Bereich (da oberhalb vom Po eben) und eingeschränkte Bewegung jammerte. Ab auf die Matte? Keine Spur! Ich lag richtig flach, wochenlang. Warum? Ich habe mir den unteren Rücken bzw. das Sakralgelink doch ausgerechnet bei einem intensiven Yogaworkshop verletzt. Falsche oder ruckartige Bewegung, mangelnde Rückenmuskulatur? Ich weiß es nicht. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Jedenfalls konnte ich wochenlang nicht auf die Matte, ich war völlig blockiert und das raubte mir Lebensenergie, Mut und das unendliche Vertrauen in meine Yogapraxis. Auch, weil ich ja im Juni 2018 eine Yoga-Lehrer-Ausbildung beginnen werde. Wie sollte das zusammenpassen, dachte ich? Was, wenn du während deiner Ausbildung einen Rückfall erleidest und dein Sakralgelenk für immer blockiert ist? Schlechte Gedanken über schlechte Gedanken schossen durch meinen Kopf.

„Hast du’s schon mal mit Yoga probiert?“ Gerade Menschen mit Rückenproblemen rät man gerne mal zu Yoga. Sanfte Übungen für den Nacken und Rücken, ein paar Twists hier, vielleicht eine Hüftöffnung da. Voila, Schmerz ade! Als überzeugte Yogini rate auch ich erstmal zum Gang auf die Matte. Denn der wirkt normalerweise Wunder und führt zu körperlicher und geistiger Verbesserung. Aber Yoga und die falsche Bewegung im falschen Moment kann fatale Folgen haben, wie sich ja bei mir herausstellte.

Yoga with Adriene und True

Langsam, ganz langsam, durch viel Schonen und viel Wärme erholte sich mein Rücken und das neue Jahr brach an. Damit auch die 30 Days of Yoga „Challenge“ names True von Adriene Mishler, zu deren treuer Community ich seit Jahren gehöre. Ich schlug mich die 30 Tage eigentlich ganz gut und war sehr froh und stolz, erneut den Jahresbeginn mit einer „Yoga-Challenge“ begonnen zu haben. (Ich reibe mich sehr an dem Wort „Challenge“, denn gerade DAS soll man im Yoga ja nicht, in Konkurrenz und harte Herausforderung gehen, aber ein anderes Wort fällt mir dafür gerade nicht ein – dies als kleiner Zwischen-Einwurf an dieser Stelle.) 

Doch schon während „True“ merkte ich, dass mein linkes Knie wegen Überdehnung schmerzte und auch mein Rücken sich wieder meldete. Ich fühlte mich körperlich „schief“, ungerade und nicht wie ich selbst. Ich war am Boden zerstört und verlor die Hoffnung und Lust am Yoga und somit natürlich auch gänzlich am Bloggen. Wollte ich eigentlich die „Yoga with Adriene“-30-Tage-Yoga-Journey zum Anlass nehmen, endlich wieder zu schreiben und meinem Blog Leben einzuhauchen, verließ mich aufgrund meiner körperlichen und geistigen Verfassung die Lust daran.

Worüber sollte eine Yoga-Bloggerin schreiben, wenn sie mit Yoga auf „Kriegsfuß“ steht? Was, wenn Yoga mir nicht mehr gut tut oder ich mich immer wieder verletzte? Ich war gespalten und musste meine Strategie ändern, bzw. den Umgang mit mir und die Einstellung gegenüber meiner Yogapraxis.

„Du bist im Ungleichgewicht!“

Einige Arztbesuche später, mehrfacher Gang zum Osteopathen und nur noch sanftes, schonendes Yoga verhalfen mir zur Besserung und ich nahm Fahrt auf. Ein einschneidendes Gespräch mit einer  sehr lieben und schlauen Kollegin, mit der ich auch Yoga übe, verhalf mir zu einer weiteren sehr wichtigen Einsicht. Ich schilderte ihr die Situation rund um meine Verletzungen durch Yoga, den Stress bei der Arbeit und daraufhin „fühlte“ sie in mich hinein. Klingt vielleicht seltsam, aber sie tat es und legte ihre Hand auf meinen Rücken – dort, wo ich am meisten Schmerzen hatte die letzten Wochen. „Isabelle, dein Leben ist im Ungleichgewicht! Du bist im Ungleichgewicht. Was dich nährt und dir Spaß macht, muss genauso gefüttert werden, wie deine Arbeit, die du hier täglich gewissenhaft verrichtest! Und für dich ist doch Yoga und dein Blog so wichtig – schenke dem genauso viel Aufmerksamkeit wie deinen Verpflichtungen!“

Sie traf den Nagel auf den Kopf. Ich war baff. Haarscharfe Erkenntnis. Vor allem tut es gut, wenn Menschen es aufrichtig und ernst mit einem meinen. Dieses Gespräch fand letzte Woche statt, und hier sitze ich nun und mache, was mich nährt. In kleinen Schritten versuche ich es. Ich bin gespannt, was die Zeit bringt, wie ich mich fühlen werde. Der Körper gibt uns immer wieder Zeichen und Impulse. Yoga lehrt uns eigentlich, genau darauf zu achten, und danach zu leben. Wann habe ich das verlernt oder vergessen? Ich bin in diesem Moment die zufriedenste Kranke unter der Sonne, denn ich habe meinen Drive heute wieder gefunden und mich endlich zurück an meinen Blog gewagt.

 


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